Wir fordern freies WLAN in den Unterkünften für alle Bewohner!

Wir fordern WLAN für alle Unterkunftsbewohner

MAINZ – „Kampagne Totalausfall“. So ist eine Postkartenaktion überschrieben, mit der der Mainzer Flüchtlingsrat für stabiles, freies und sicheres Internet in allen Mainzer Flüchtlingsunterkünften wirbt.

„Wir wollen jetzt Ergebnisse sehen“

Zwar gebe es endlich Bewegung in der Sache, schreibt der Flüchtlingsrat in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. Und bezieht sich damit auf einen Bericht dieser Zeitung von vor wenigen Tagen: Am Montag hatte Sozialdezernent Dr. Eckart Lensch (SPD) erklärt, die Installation von „Homespots“ und die Einrichtung von Lernräumen seitens der Stadt und der Betreuungsorganisationen würden künftig sicherstellen, dass alle schulpflichtigen Flüchtlingskinder endlich am digitalen Fernunterricht teilnehmen könnten. Zudem stehe man mit der Mainzer Breitband, also mit den Stadtwerken, und mit der Wohnbau in Kontakt, „um weitere technische Verbesserungen zu finden“. Auch die Initiative „Freifunk“ e. V. werde behilflich sein. Den Flüchtlingshelfern allerdings gehen diese Aussagen nicht weit genug: „Wir wollen jetzt Ergebnisse sehen. Es dauert zu lange – und es wird zu kurz gesprungen.“ Bereits seit fünf Jahren mache sich der Flüchtlingsrat für einen stabilen Internetzugang in den Unterkünften stark.

„Wir hatten die Postkarten-Kampagne bereits vor den jüngsten Äußerungen von Dezernent Lensch geplant. Denn noch im Dezember letzten Jahres hatte es geheißen, wir müssten uns noch gedulden“, sagt Axel Geerlings-Diel von der Initiative „Save me“, die dem Mainzer Flüchtlingsrat angehört, am Donnerstag im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Situation für die schulpflichtigen Flüchtlingskinder in den Unterkünften sei extrem schwierig – besonders seit die Gemeinschaftsräume in den Unterkünften wegen der Virus-Krise geschlossen worden seien. Geerlings-Diel: „Im Grunde konnten die Kinder bislang nur dann am Fernunterricht teilnehmen, wenn ihnen das von Ehrenamtlichen außerhalb der Unterkünfte ermöglicht wurde.“ Er wisse beispielsweise von Ehrenamtlichen, die sich in Schnellrestaurants oder Laden-Passagen mit den Kindern getroffen hätten – weil es dort frei zugängliches WLAN gebe. Die Lösung der Problematik, so Geerlings-Diel, dürfe „keinen Tag länger warten und muss in der Priorität der Stadt endlich ganz nach oben“.

Stadt mangelt es selbst an digitaler Handlungsfähigkeit

Christa Blum vom Flüchtlingsrat freut sich unterdessen über die Einrichtung der „Lernräume“, die die Stadt für Kinder und Jugendliche angekündigt hat, bittet aber um schnelle Umsetzung: „Es zählt jeder Tag.“ Auch freies Internet für alle Bewohner der Unterkünfte müsse jetzt umgesetzt werden und „nicht erst im Sommer“. Blum: „In dieser schlimmen Zeit, die uns alle belastet, ist digitale Teilhabe Menschenrecht und die Stadt hat die Pflicht, das sofort umzusetzen.“

„Natürlich helfen wir bei der Suche nach Ehrenamtlichen und auch gerne dabei, diese Lernräume auf den Weg zu bringen“, erklärt unterdessen Stephan Hesping vom Stadtteiltreff Gonsenheim. Leider mangele es bei der Stadt selbst oft an digitaler Handlungsfähigkeit. „Aber wir rufen gerne alle Ehrenamtlichen, die sich melden, per Zoom-Konferenz zusammen und fangen dann an, in Zusammenarbeit mit den Betreuungsverbänden vor Ort, abgestimmt mit der Flüchtlingskoordination der Stadt, diese ,Lernräume’ mit Leben zu füllen“, beschreibt Hesping das Angebot der Flüchtlingshelfer.

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