Allgemeine Zeitung Mainz vom 20.02.2021 und Pressemitteilung

Pressemitteilung des Flüchtlingsrates (fluechtlingsrat-mainz@mail.de)

Mainz, den 21.02.2021

Den Riss nicht größer werden lassen – Lernräume gestalten
W-LAN-Totalausfall verringert sich, Lernräume brauchen nicht nur ein Konzept.

Mainz. Mit der Nutzung der seit der Pandemie weitgehend geschlossenen Gemeinschaftsräume als Lernräume und der Ausstattung mit je einem vo16 mobilen Homespots in den sieben Flüchtlingsnotunterkünften ist inzwischen ein guter erster Schritt für eine schulische Förderung der bildungs-benachteiligten Schülerinnen durch den Sozialdezernenten der Stadt Mainz gegangen worden. „Allerdings braucht es i.d.R. die 1 zu1-Begleitung der Kinder und Jugendlichen. Sie verfügen oft nicht über alle nötigen Geräte und Software-programme, kennen sich oft nicht mit der Technik aus und sind in ihren sprachlichen Möglichkeiten in der Online-Kommunikation mit Lehrern und Mitschülerinnen oft noch sehr unterstützungsbedürftig.“, sagt Stephan Hesping vom Stadtteiltreff für Miteinander Gonsenheim bei der Online-Pressekonferenz des Mainzer Flüchtlingsrats am Freitag, den 19.Februar. Der Stadtteiltreff verfügt über seine Lernangebote im Stadtteil über vielfältige Erfahrungen und fragt sich, wie aus dem eh schon knapp bemessenen Pool der Hauptamtlichen für Gemeinschaftsunterkünfte, die Besetzungs- und Öffnungszeiten der Lernräume so gestaltet werden können, dass die rund 200 Schülerinnen erreicht werden. „Viele Lehrer arbeiten mit Treffen bis in den späten Nachmittag und der Einbezug der Eltern ist erforderlich, gerade bei Grundschulkindern. Gibt es eine Kommunikation mit Eltern und den Lehrerinnen?“, fragt Hesping weiter. Zusätzlich zu den Lernräumen vor Ort braucht es eine Ergänzung durch digitale Plattformen, damit Ehren- und Hauptamtliche per Videoschalte den Kontakt halten können um bei den Aufgaben, bei technischen Fragen, bei
Missverständnissen und Kontakten mit der Schule helfen zu können. Gute Erfahrungen hierzu macht Rita Gieringer von der Mainzer Initiative Allianzhaus nach dem Umzug einer Großfamilie in einer der Flüchtlingsunterkünfte: „Ich wurde, wie im Allianzhaus, direkt aufgenommen in das Ehrenamtlichennetzwerk, das die Hausaufgabenhilfe-angebote unter Coronaregeln selbständig in enger Kommunikation mit den Hauptamtlichen der Betreuungs-organisation vor Ort, mit den Schülerinnen, den Eltern und Lehrerinnen organisiert.“ Aber auch dort können wir nicht alle Kinder erreichen, gibt es Lücken, die wir im Zusammenwirken zu verringern versuchen. Den Ehrenamtlichen soll deshalb in allen Flüchtlingsunter-künften durch die Stadt wieder gestattet werden, den Flüchtlingen unter Beachtung der Coronaregeln vor Ort zu helfen. Das Hygienekonzept mit Desinfektionsmitteln, Masken und Spuckwänden und eine Dokumentation der Kontakte fürs Gesundheitsamt sei für Ehrenamtliche selbstverständlich. Bei der Notbetreuung in den Schulen klappe das ja auch. „Auch ,,Schnelltests“ könnten voraussichtlich ab März/April zusätzlich eingesetzt werden.“, sagt Gieringer weiter. Bei der Onlinepresse-konferenz informierte Axel Geerlings-Diel von Save me Mainz über den am Donnerstagnachmittag per E-Mail eingegangenen Brief von Oberbürgermeister Michael Ebling. Er kündigt darin erste Verbesserungen bzgl. der W-LAN-Versorgung für alle Bewohnerinnen in der Flüchtlingsnot-unterkunft Zwerchallee per Richtfunk an. Die anderen Flüchtlingsunterkünfte sollen nach und nach angeschlossen werden. „Dass es Schwierigkeiten gibt Telefonleitungen in der Nähe der schon lange aus der Normalnutzung gefallenen Flüchtlingsunterkünfte zu finden, zeigt sich hier. Aber auch Richtfunk kann helfen, wenn er ausreichend dimensioniert ist.“, sagt Geerlings-Diel. Christa Blum informierte, dass durch Corona das Internet für alle Bewohnerinnen noch wichtiger ist als vorher. „Man kommt sich ohne Internet wie abgetrennt von der Welt vor!“, sagten ihr Flüchtlinge und schilderten Einschränkungen, wie vom Online Unterricht ausgeschlossen zu sein, vom Deutsch- oder Fernkurs, von der Berufsschule. Auch junge Mütter mit Kleinstkindern könnten online Deutschkurse machen. Alle sind auf den Onlinekontakt zu Behörden wie Sozialamt, Ausländer-behörde und Jobcenter oder bei der Arbeitssuche angewiesen. Es gibt kaum noch persönliche Termine. Nur durch das Internet können sie regelmäßig Kontakt zu den Angehörigen halten: den Eltern, den Ehefrauen, Kindern, den Ehemännern, zu Freunden und Verwandten in der Heimat oder in anderen Ländern. Die Liste ist fortzusetzen durch E-Mailkontakte bis hin zu Onlinegesprächen mit Sozialarbeiterinnen oder Psychologinnen, zu Ehrenamt-lichen und deutschen Freunden bei Fragen aller Art, ebenso auf der Suche nach Firmen, die Praktika anbieten, nach Arbeitsmöglichkeiten auf 450 € Basis oder Ausbildung. Und nicht zuletzt auf der Suche nach einer Wohnung, die eine Möglichkeit der Integration in den deutschen Alltag ermöglicht. „Wir hoffen, dass wir als Initiativen und Vereine, die sich im Flüchtlingsrat zusammengeschlossen haben zukünftig wie auch Freifunk in die Planung und Umsetzung in den Flüchtlingsunterkünften einbezogen werden. Das gilt auch bezüglich einer stufenweisen Lockerung des seit März 2020 geltenden, generellen Besuchs- und Betretungsverbots.“, sagt Geerlings-Diel und verweist auf das am Montag anstehende Gespräch mit dem
Flüchtlingskoordinator. Bei den schwachen Kräften in der Flüchtlingsarbeit müssen die Kompetenzen und Ressourcen aller zusammenwirken, damit die Pandemie begrenzt, Teilhabe möglich wird und Integration gelingt.

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